Saal und Atmosphäre während des Kongresses "Ästhetische Medizin Goes Social Media"

Ästhetische Medizin Goes Social Media

Es war voll im Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin. Einige von den über 100 Gästen mussten stehen, um dem Kongress Ästhetische Medizin Goes Social Media beizuwohnen. In der Lobby im letzten Stock wurde es schon vor Beginn direkt spannend. Ich bekam beispielsweise zufällig mit wie sich ein Vertreter der Ärztekammer über die heutige Generation von Ärzten beklagte. Diese würden ja quasi wie Wanderärzte viel zu oft die Klinik wechseln. Vom Smalltalk aber zurück zum Thema! Unter der Schirmherrschaft der DGPRAEC wollte man heute “einen wichtigen Beitrag zur Klärung vieler offener Fragen im Zusammenhang mit der Nutzung sozialer Medien in der Medizin leisten”. In Ausgabe 3/2018 der Zeitschrift Plastische Chirurgie schrieb Prof. Giunta, der Präsident der DGPRAEC, dass mit den Mitgliedern eine Leitlinie für soziale Medien erarbeitet werden soll. Hiermit soll vermieden werden, dass “…leider zumeist rein kommerzielle – Interessen über die einer Wertegemeinschaft wie der unseren…” gestellt werden.

Werte der Gemeinschaft der Plastischen und Ästhetischen Chirurgen

Haben wir denn eine Wertegemeinschaft? Zumindest zu einer Diskussion über eine Leitlinie oder die Werte unserer Gemeinschaft im Zusammenhang mit Social Media kam es während des Kongresses leider nicht. Vielmehr lauschten die meisten Kollegen sehr konzentriert, um mit dem Wissen vielleicht die eigene Praxis ein wenig pushen zu können. Diese hatten dann wohl kommerzielle Interessen. Hierfür war der Kongress wegen der exzellenten Vorträge von Marketingprofis sehr gut geeignet. Nur schade, dass nicht mehr beim Kongress herumkam. Ich hatte gehofft, dass wir uns als Plastische und Ästhetische Chirurgen ein wenig positionieren. Jetzt schon kann laut Lisa Heinrich (Social Media Profi), für eine Marketing Expertin ein Social Media Auftritt zwei Stunden Arbeit pro Tag, fünf Tage in der Woche bedeuten. In diesem Zusammenhang fragte ich Prof. Giunta wie wir dem Marketingdruck denn als Gemeinschaft entgegentreten wollen. Er könne mir nicht sagen wie ich meine Praxis zu führen habe, war seine Antwort. Nun, ich habe aber keine Praxis. Eine offene Diskussion schien also nicht erwünscht zu sein.

Quiz Erkennung Schamlippenresektate

Als Negativbeispiel für die Nutzung von Social Media wurde dann das Bild eines Instagram-Beitrags gezeigt. Auf diesem sah man zwei Schamlippenresektate, gespreizte Beine und Mittendrin einen Emoji. Jener Emoji sah dem dafür verantwortlichen Kollegen zum verwechseln ähnlich. Das ging also zu weit. Eine Grenze wurde überschritten. Nur hatte der Grenzübertritt keine Konsequenzen. Noch gibt es scheinbar keine moralisch gesetzten Grenzen. Das lustigste dabei: Dieser Kollege saß auch noch im Auditorium und lachte sich schlapp. Ich persönlich fand die Situation etwas skurril.

Gemeinsam oder jeder für sich?

Wir könnten zusammen erarbeiten wie wir in Zukunft als Plastische und Ästhetische Chirurgen arbeiten wollen. Dann haben wir eine gute Chance diese so zu gestalten wie wir es wollen und nicht wie andere Interessengruppen es gerne hätten. Der Kongresspräsident Dr. med. Sixtus Allert hat es doch in der Kongressankündigung angedeutet: “Soziale Medien spielen in der Medizin eine immer größere Rolle. Unsere Kommunikation wird anscheinend einfacher und unkomplizierter, unsere Netzwerke vergrößern sich, wir haben die Möglichkeit, in kürzester Zeit Fälle anhand von Bildern zu besprechen.” Die Möglichkeiten gehen dabei weit über das Besprechen von Bildern hinaus. Mit Softwareideen wie loomio oder Slack läßt sich beispielsweise in großen Gruppen exzellent online kommunizieren, ohne sich ständig treffen zu müssen. Wir sollten uns klar machen welche tools uns nutzen und welche uns unnötig beschäftigen. Wenn wir Das zusammen erarbeiten entsteht vielleicht eine Gemeinschaft. Dann können wir als Gruppe mit gemeinsamen Zielen agieren. Die Theorie, dass wir uns als soziale Wesen verständigen sollten und in einer Gemeinschaft entwickeln müssen ist nicht so neu:

Kurz nach dem ersten Weltkrieg schrieb Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi in seinem Buch “Praktischer Idealismus” folgendes:

„Das politische und soziale Problem des 20. Jahrhunderts ist den technischen Fortschritt des 19. einzuholen. Diese Forderung der Zeit wird dadurch erschwert, daß die Entwicklung der Technik ohne Pause sich weiter im rascheren Tempo vollzieht als die Entwicklung der Menschheit. Diese Gefahr kann entweder abgewendet werden, indem die Menschheit den technischen Fortschritt verlangsamt, oder indem sie den sozialen Fortschritt beschleunigt. Sonst verliert sie ihr Gleichgewicht und überschlägt sich.”

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